Die Aromatherapie

Aromatherapie ist eine Behandlungsform mit langer Tradition

Eine der ältesten Therapieformen überhaupt ist die Behandlung mit aromatisch duftenden Pflanzenstoffen, die Aromatherapie. In fast allen Kulturen des Altertums wurden Räucherungen mit getrockneten Pflanzen, Gräsern, Harzen, Früchten und Rinden zur Reinigung, als Opfer für die Götter, aber auch zur Behandlung von Krankheiten durchgeführt. Duftende Salben, hergestellt aus zerstampften Blüten, dienten nicht nur kosmetischen Zwecken, sondern auch der Linderung diverser Beschwerden. Es wurden Essenzen hergestellt, die man aus Harzen, Blüten und Heilpflanzen mit Hilfe spezieller Auszugsverfahren erhielt und die u.a. zur Herstellung von Parfümölen dienten.
v. Chr. wurde dort auch das ätherische Öl von Blüten in fetten Ölen gelöst. Ägyptische Priester stellten u.a. Räucherkerzen, Salben, Pflaster, Zäpfchen und Pulver her. Zur Einbalsamierung der Toten verwendeten sie ebenfalls ätherische Öle. Auch die alten Hebräer, Sumerer, Assyrer und Chinesen kannten Räucherungen und den Einsatz duftender Pflanzenessenzen zu Heilzwecken – und damit frühe Formen der Aromatherapie.
Auch im altindischen Ayurveda sind bereits medizinische Anwendungen aus dem Bereich Aromatherapie mit ätherischen Ölen – vor allem Sandelholzöl – angeführt worden. Dort verwendete man sie hauptsächlich für Massagen. Bei Arabern, Griechen und Römer erlebte der Gebrauch aromatischer Stoffe, also ebenfalls Behandlungen aus dem Bereich Aromatherapie, einen enormen Aufschwung. Neben der Anwendung in Form von Parfüms, duftenden Körperölen und diversen Kosmetika wurden ätherische Öle bereits sehr gezielt in der Medizin eingesetzt. Aus dieser Epoche existieren eine ganze Reihe von Abhandlungen, in denen verschiedenen Duftstoffen spezifische Heilwirkungen zugesprochen werden. Das damals bekannte Herstellungsverfahren für Pflanzenessenzen für frühe Anwendungen der Aromatherapie wurde durch den persischen Arzt Avicenna (980-1037) weiterentwickelt.

Aromatherapie - Heilwirkungen vielfach belegt

Avicenna schrieb ausführlich über die Heilwirkungen verschiedener ätherischer Öle und verfasste annähernd 100 Bücher, darunter den „Kanon der Medizin“ und das „Kleinere Lehrgedicht der Medizin“. Die Anwendung duftender Pflanzenstoffe zu Heilzwecken, die man heute als Aromatherapie bezeichnet, wurde vom englischen Arzt und Astrologen Nicholas Culpeper (1614-1654) zu großer Popularität gebracht. Mit seinen Veröffentlichungen über die heilenden und stimulierenden Eigenschaften von Kräutern und Pflanzenessenzen beeinflusste er viele Alchemisten, Heiler und Ärzte Europas. Der französische Chemiker René-Maurice Gattefosse begann am Anfang des letzten Jahrhunderts mit Parfums und Kosmetika zu experimentieren. Durch das Studium von Gattefosses Veröffentlichungen kurierte der Militärchirurg Jean Valnet Kriegsverletzungen während des zweiten Weltkrieges mit ätherischen Ölen. Nach dem Ende des Krieges behandelte er – gestützt auf seine Kriegserfahrungen – in seiner Arztpraxis Patienten nur noch mit ätherischen Ölen und Kräutern und wurde zu einem Vorreiter der Aromatherapie. Die Veröffentlichung seines Werkes „Aromatherapie: Traitement des Maladies par les essences des Plantes“ brachte ihm weltweite Anerkennung. Er begann, Kollegen in der Aromatherapie auszubilden. Inzwischen hat sich Frankreich zu einem Hauptproduzenten und der kleine südfranzösische Ort Grasse, wo Gattefosse lebte, zu einer Art Welthandelszentrum für ätherische Öle entwickelt.

Die Herstellung der Stoffe zur Aromatherapie

Die zur Aromatherapie verwendeten ätherischen Öle werden zwar als Öle eingestuft, haben jedoch eine völlig andere Konsistenz als gewöhnliche Pflanzenöle wie z.B. Sonnenblumenöl oder Mandelöl. Es sind hochgradig flüchtige, flüssige Bestandteile duftender Pflanzen. Sie hinterlassen auf Fließpapier – im Gegensatz zu anderen Ölen – in der Regel keinen Fettfleck. Sie vermischen sich mit Wasser schlecht, lösen sich aber hervorragend in fettem Öl oder hochprozentigem Alkohol. Aus dem Orangenbaum lassen sich z.B. drei verschiedene, in der Aromatherapie verwendete Essenzen herstellen: Orangenschalenöl, Orangenblätteröl und Orangenblütenöl. Zur Gewinnung ätherischer Öle für die Aromatherapie werden – je nach deren Löslichkeit und zu verarbeitendem Pflanzenteil – unterschiedliche Methoden angewendet.

Methoden zur Gewinnung ätherischer Öle für die Aromatherapie

Wasserdampfdestillation

Das gebräuchlichste Herstellungsverfahren von ätherischen Ölen zur Aromatherapie ist die Wasserdampfdestillation. Von unten wird nun Wasserdampf zugeführt, der das ätherische Öl herauslöst und mit sich nimmt. In einem sich verengenden, wassergekühlten Rohr, dem Kondensor, wird der essenzhaltige Dampf aufgefangen und in ein Auffanggefäß geleitet, das Wasser enthält. Da das erhaltene ätherische Öl in der Regel leichter als Wasser ist und somit auf dessen Oberfläche schwimmt, muss es nur noch abgeschöpft werden. Um eine gute Qualität der für die Aromatherapie einzusetzenden Öle zu erhalten, sollte die Destillation langsam durchgeführt werden, so dass auch die aromatischen Bestandteile der Pflanze, die nur schwer verdunsten, in die Essenz übergehen. Hoher Druck und zu große Hitze können einzelne Inhaltstoffe zerstören und zu einer deutlichen Qualitätsminderung führen.

Enfleurage

Verschiedene feine und sehr schwer isolierbare Pflanzenöle lassen sich nicht durch Wasserdampfdestillation gewinnen. Hier wird die Enfleurage angewendet. Bei dieser Methode werden die empfindlichen, frisch gepflückten Blüten einzeln nebeneinander auf Butter oder Schweinefett gelegt, das auf eine Glasplatte aufgetragen wurde. Die Blüten werden teilweise täglich gewechselt; der Prozess zieht sich oft über mehrere Wochen, bis das Fett mit dem ätherischen Öl der Blüten gesättigt ist. Mit Hilfe von Alkohol wird dieses nun aus dem Fett extrahiert. Die auf diese Weise hergestellten Essenzen für die Aromatherapie sind entsprechend teuer.

Gewinnung durch chemische Lösungsmittel

Eine wesentlich einfachere und daher auch preisgünstigere Methode ist die Gewinnung durch chemische Lösungsmittel. Die Pflanzenbestandteile werden mit dem Lösungsmittel versetzt und erwärmt. Hat sich das ätherische Öl vollständig gelöst, wird das Lösungsmittel unter Vakuum abdestilliert. Wie bei der Enfleurage erhält man zunächst eine salbenartige Masse, „Concrete“ genannt. Durch Abtrennung der Pflanzenwachse mittels Alkohol bekommt man schließlich das Absolue. Allerdings sind nicht alle Absolues mit Hilfe derartig toxischer Substanzen hergestellt. Vielfach lässt sich auch Alkohol als Lösungsmittel verwenden. Absolues sind häufig zähflüssige Substanzen, die nur schwer aus der Flasche tropfen. Notfalls muss man sie zum Einsatz in der Aromatherapie mit einem kleinen Spatel oder Stäbchen (z.B. Streichholz) entnehmen.
 

Kaltpressung

Verschiedene ätherische Öle, die in der Aromatherapie eine Rolle spielen, müssen durch Kaltpressung gewonnen werden, da durch die Hitze der Destillation wichtige Bestandteile der Essenz zerstört werden würden. So werden Orangen-, Mandarinen-, Zitronen- und Grapefruitöl mittels Kaltpressung gewonnen. Leider gelangen bei der Pressung auch eventuell vorhandene Spritzmittelrückstände in die Essenz. Sämtliche für die Aromatherapie erhältlichen Essenzen werden aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit in dunklen Flaschen geliefert. Extreme Temperaturen schaden ihnen ebenfalls, wobei Zitrusöle am empfindlichsten reagieren.

Verschiedene Anwendungsmöglichkeiten der Aromatherapie im Wellnessbereich

Die Anwendungsmöglichkeiten ätherischer Öle im Rahmen der Aromatherapie sind vielfältig. Es muss jedoch beachtet werden, dass es – im Gegensatz zu Bach-Blüten und Edelsteinen – gewisse Öle gibt, bei deren Anwendung gelegentliche Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen sind und für eine Reihe von Ölen in bestimmten Situationen (z.B. Schwangerschaft) Anwendungsbeschränkungen bestehen, die unbedingt berücksichtigt werden müssen. Bei der Behandlung von Kindern ist in der Aromatherapie jeweils nur die Hälfte der für Erwachsene angegebenen Tropfenzahl zu verwenden.

Aromatherapie durch Verdampfen in der Aromalampe

Die einfachste und auch beliebteste Art, ätherische Öle zur Aromatherapie einzusetzen, ist das Verdampfen mittels einer Aromalampe. Hierbei werden einige Tropfen der Essenz in die mit Wasser gefüllte Schale der Aromalampe gegeben und die darunter stehende Kerze wird entzündet. Die Flamme erwärmt das Wasser und lässt die Flüssigkeit verdunsten; der Duft verbreitet sich im Raum. In der Regel nimmt man 5-10 Tropfen. Bei sehr stark konzentrierten ätherischen Ölen wie Cistrose, Narde, Patchouli oder Vetiver genügen bereits 1-2 Tropfen. Da einige Essenzen besonders intensiv riechen, kann man sie vor der Anwendung verdünnen. Hierzu gehören u.a. Rose, Hyazinthe, Jasmin, Magnolie und Narzisse. Der wunderbare Duft und die körperliche Berührung führen außerdem zu einer allgemeinen Entspannung und helfen, die heilende Wirkung der verwendeten Essenzen anzunehmen. Lokale Einreibungen schmerzhafter Stellen, bestimmter Körpersegmente oder spezieller Bach-Blüten-Hautzonen sind eine weitere Anwendungsmöglichkeit der Aromatherapie. Grundsätzlich ist jedes fette, kaltgepresste und/oder unraffinierte Öl als Trägermedium möglich, d.h. auch Sonnenblumenöl und Olivenöl. In der Aromatherapie werden am häufigsten Mandelöl und Jojobaöl verwendet, da beide vorzügliche kosmetische Eigenschaften und keinen Eigengeruch besitzen.


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